Marienkapelle des Hotels "Pragser Wildsee" - Ein Ort der Kirchengeschichte und der Zeitgeschichte

Die Kapelle “Zur Schmerzhaften Muttergottes” gehört zum Hotel “Pragser Wildsee”. Sie entstand als Privatkapelle der Familie Hellenstainer. Der reich illustrierte Kirchenführer beschreibt die Geschichte der Marienkapelle, die im Jahre 1904 nach den Plänen des Wiener Architekten Otto Schmid erbaut wurde. Den Auftrag zum Bau der Marienkapelle hatte ihm Eduard Hellenstainer erteilt, der auch im Auftrag seiner Mutter Emma Hellenstainer das Hotel “Pragser Wildsee” errichten ließ. Er selbst erlebte die Weihe des kleinen Gotteshauses, das für die Gäste und für die Bediensteten des Hotels bestimmt war, nicht mehr. Eduard Hellenstainer starb am 26. November 1903 in Meran. Die Kapelle wurde am 3. Juli 1904 geweiht – wenige Monate nach dem Tode der “Frau Emma” am 9. März 1904, die sich den Bau der kleinen Kirche unmittelbar am Pragser Wildsee gewünscht hatte.

Das Gotteshaus inmitten der Berge genießt den Ruf einer alpinen Wallfahrtsstätte. Denn so manchen Bergsteiger zieht es zunächst zum stillen Gebet in die Kirche, bevor er ins Hochgebirge der Dolomiten aufbricht.

Die Kapelle ist aber auch ein Platz der Kirchengeschichte, und mit der Ankunft der Sippen- und Sonderhäftlinge im Hotel “Pragser Wildsee” wurde das Gotteshaus mit dem Hotel sogar ein Ort der Zeitgeschichte von europäischer Bedeutung. Auch der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, der im Sommer 1910 mit seiner Familie im Hotel “Pragser Wildsee” weilte, besuchte die Marienkapelle – ebenso wie die befreiten Gefangenen aus dem SS-Geiseltransport – gern.

Autor: Hans-Günter Richardi. Mit einem Geleitwort von Dr. Caroline M. Heiss
72 Seiten mit 48 Abbildungen und mit einem Stammbaum der Familien Hellenstainer und Heiss
Broschur
ISBN 978-88-902316-5-0
herausgegeben vom “ZeitgeschichtsArchiv Pragser Wildsee”, Prags 2010